Zurück in der Normalität

Wer hätte sich noch zu Beginn von 2020 gedacht, dass „normal“ einmal so besonders ist und so glücklich macht?

Bei uns in den Proben ist jetzt jedenfalls wieder Normalität eingekehrt. Wir proben wieder im Pfarrheim. Die Stühle stehen in Choraufstellung in normalen Abständen gegenüber dem Klavier. Es gibt wieder Mappen mit Notenblättern.

Na gut, vielleicht nicht ganz normal: Es gilt 3G, auf dem Weg zum Sitzplatz wird Maske getragen und die Fenster sind die ganze Zeit geöffnet. Aber wen kümmern schon solche Kleinigkeiten?

Die Firmung wird zur Jamsession

Musikalisch sehen Messen gerade etwas langweilig aus: Die Orgel spielt, der Organist singt von der Orgelempore dazu. Das war’s dann. So richtig Stimmung kommt da nicht auf. Das ist besonders dann schade, wenn der Heilige Geist überspringen soll: bei den Firmungen in diesem Jahr. Darum haben wir die chorische Begleitung der Messen mal mit kleiner Besetzung und auf Abstand gemacht. Wenn dann die Firmung noch im Altenberger Dom stattfindet, dann tut die tolle Akustik das Übrige dazu, dass das richtige Feeling entsteht. Es mag vielleicht nur eine Kleinigkeit gewesen sein, aber in diesen Zeiten lernt man ja gerade das Kleine wieder wert zu schätzen.

Was allerdings für uns Sänger selbst die Firmung 2020 zu etwas wirklich Besonderem gemacht hat war, dass wir nicht nur die vier Lieder gesungen haben, die wir geprobt haben. Wir haben einfach mal bei den Liedern des Organisten mitgesungen. Das hat so gut funktioniert, dass er beim Friedenslied dann spontan angezeigt hat: „Den nächsten Durchgang zweistimmig“. Wir haben wirklich zusammen gejammt. Wow, war das cool!

Neue Chor(proben)normalität

Wir sitzen mit viel, viel Abstand (mindestens 3 Meter) voneinander entfernt in der Kirche. Jeder hat sein eigenes Buch, die Chorleiterin steht am Ambo und alle 25 Minuten wird groß gelüftet. So sehen unsere Chorproben unter Coronabedingungen aus.

Klar ist das nicht ganz dasselbe wie früher. Man hört die anderen Sänger nicht besonders gut und die anderen Stimmen im anderen Kirchenschiff nur indirekt. Aber die Hauptsache ist doch, dass wir überhaupt wieder singen können! Singen stärkt ja immerhin auch das Immunsystem und das Gemeinschaftsgefühl. Beides Dinge, die wir alle gerade mehr brauchen denn je. Und das ein oder andere Lied, klingt in einem Kirchenraum doch sowieso viel besser als in einem Gemeindesaal. Wenn etwa das Taizé-Lied „Bless the Lord my soul“ erklingt und ich die Augen schließe, dann kann ich alles andere vergessen. Dann gibt es nur Gott und uns.

Social Distance Singing

SHUTDOWN

Nix geht.

Zuhause bleiben, niemanden treffen, Homeoffice, Homeschooling, Maskenpflicht überall, keine Gottesdienste, Singen verboten und Chorproben sind schon gar nicht drin. Ein paar Wochen ohne Chor haben wir durchgehalten. Aber seit Ende April treffen wir uns trotzdem jede Woche zum Singen – via Videochat.

Wie das geht? Im Grunde ganz einfach: Alle Sänger haben ein Liederbuch mit nach Hause bekommen. Jede Woche gibt es dann den Link zum Gruppenchat und alle schalten dann zur gewohnten Zeit ihre Mikros und Webcams ein. Und schon geht es los. Ja, klar einige Schwierigkeit gibt es dabei schon. Es klappt zum Beispiel nicht, dass man alle Chorsänger hören kann, während man singt – wegen der Verzögerungen durch die Internetübertragung klingt das nämlich ganz grässlich, wenn man es versucht. Stattdessen spielt oder singt jemand die Hauptstimme und alle singen vor stummgeschalteten Mikros mit. Das tut dem Spaß keinen Abbruch und es ist allemal besser als sich gar nicht zu sehen und gar nicht zu singen. Zuerst haben wir uns nur getraut bekannte Stücke zu singen. Mittlerweile lernen wir auch neue Lieder. Und die Chorleiterin ist optimistisch: „Ich sehe schon, wir werden hier noch viele schöne, neue Projekte machen.“

Ein Licht der Hoffnung…

… das können wir in diesen Zeiten dringend brauchen. Umso schöner ist es, dass das Altenbergerlicht trotz allen Einschränkungen dennoch entzündet und verteilt wurde. Die Vigil mit der Entzündung des Lichtes konnte per Live-Stream mit verfolgt werden.

Bei uns in Wermelskirchen kam das Licht am frühen Abend des 1. Mai schon an. Dafür haben wir MiCaDos dann unsere eigene kleine Aussendungsfeier gestaltet. Wir haben mit Kerzen eine schöne Atmosphäre geschaffen und die MiCaDo-Band spielte für 2 Stunden. Es gab Texte und Gebete und jeder konnte kommen und sich das Licht abholen. Klar, mussten wir alle mit großem Abstand in der Kirche sitzen und durften, statt zu singen nur summen. Aber trotzdem konnten wir das Altenbergerlicht 2020 in vollen Zügen genießen. An diesem Abend war der Heilige Geist mitten unter uns. Kein Zweifel!